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Chronik Horas Die Anfänge von Horas Wie lange nach den Anfängen Fuldas vor den Toren des Klosters und der Stadt flussabwärts die Siedlung Horas entstanden ist, lässt sich nicht genau bestimmen. Auch der Ortsname gibt hierüber keine Auskunft. „Horaha“, die älteste Namensform, bedeutet „sumpfiger Bach“ und lässt erkenne, dass die erste Siedlung in der vom Horaser Bach durchflossenen Niederung entstand. – Wie aus Horaha, Horaw, Horau, volkstümlich Huere, schließlich Horas wurde, ist unklar. Der Heimatforscher Dr. Haas vermutet, dass ein Geistlicher des 18. Jahrhunderts dafür eine Erklärung suchte und dazu eine örtliche Legende heranzog. Nach dieser sei der Heilige Bonifatius mitunter zu der am Fuß des Kalvarienberges entspringenden Quelle hinabgestiegen, um sich dort zu erfrischen und die „horas canonicas“, die „Tageszeiten seines Breviers“, zu verrichten. Diese Deutung habe bei den gebildeten Zeitgenossen Anklang gefunden und sei damit allgemein üblich geworden – eine volkstümliche, aber keine schlüssiger Erklärung. Andere Ortschaften des Fuldaer Landes können auf ein viel größeres Alter zurückblicken als Horas. In einer Untersuchung von Carl Oswald über Horas und seine Sippen im Wandel der Zeiten (BBl. XX-15) erscheinen Nachrichten über ortsansässiger Familien in größerer Dichte erst im 15. Jahrhundert. Um so bedeutungsvoller sind die wenigen Hinweise aus früherer Zeit: Aus einer Aufzeichnung des Mönches Eberhard im Jahre 1160 (unter Abt Marquard und Kaiser Friedrich II.), das Kloster auf dem „Bischofsberg“ (Frauenberg) betreffend, geht hervor, dass unter anderen auch das nahe unter dem Berg gelegene Horas und Niesig (iuxta ipsum montem villa horaha et ea que ad eam pertinent Nusaze) zur Propsteides Klosters gehörten (Dronke: Traditones ...). Eine andere Urkunde aus den Frauenberger Propsteiakten im Marburg berichtet von einer Belehnung des Bürgers Heinrich Beheym mit einem Gut durch Abt Heinrich von Hohenberg im Jahre 1330, und aus dem Jahr 1394 ist eine Erbbriefverleihung über die „Klinkenmühle“ nebst dazugehörigen Äckern an Heinrich Guldemann und dessen Erben vom Propst und Konvent Frauenberg erhalten. Eine vermutlich adelige Familie von Hora wird 1350 erwähnt: Der Propst des Michaelsberges erlaubte die Errichtung eines Muttergottesaltares, den ein gewisser Konrad von Hora gestiftet hatte. Möglicherweise sind einfache Bürger im 15. Jahrhundert mit Namen „Hores“ oder „Horas“ Glieder des genannten Geschlechtes gewesen. Noch im 16. Jahrhundert schein die villa Horaha aus nur wenigen, der Propstei zugehörigen Höfen bestanden zu haben. Über die Verhältnisse in späterer Zeit, im 18. Jahrhundert, gibt ein Bericht „Zustand der Aembter nach denen von den Beambten anno 1789 eingeschickten Tabellen“ Auskunft, wonach das Zentamt Fulda (Gerichtsbezirk) aus 45 Dorfschaften und 19 Höfen bestand. In der Aufzählung der Vermögensumstände der genannten Dorfschaften nimmt Horas den letzten Platz ein. „Horas besteht aus 48 Nachbarn und 26 Beisassen. Da an diesem viele geringere Hüttner, daneben auch dieser Ort mit Besassen überhäuft ist, so ist es natürlicher Weise in armen und dürftigen Umständen.“ Horas als Filialgemeinde der Stadtpfarrei Über die erste Kapelle in Horas wissen wir nur – nach einer Bemerkung von Pfarrer Hausmann im ältesten Taufbuch -, dass sie um 1250 abgebrannt sein soll. Aus ihr stammen jene Architekturteile, die zunächst im Giebel der wieder aufgebauten Wendelinuskapelle vermauert waren und nach deren Abbruch im Pfarrgarten aufgestellt wurden. Leider ist das Erbauungsjahr auch jener zweiten Wendelinuskapelle nicht bekannt. Eine erste Erwähnung entnehmen wir einer Urkunde aus dem Staatsarchiv Marburg, in welcher von einer Obligation des Balzer Ackermann von Horau über vierzig Gulden die Rede ist, die ihm am 17.7.1632 die Vorsteher und Erbauer der Kapelle in Horas geliehen haben. 1674 erwähnt ein Visitationsbericht des Archidiakonats Fulda eine seit dem Mittelalter bestehende Kapelle mit dem Titel des hl. Wendelinus in Horas und einer solchen zu Ehren der hl. Ottilia in Niesig. Wir erfahren aus späteren Berichten, dass dieses Gotteshaus räumlich beschränkt und unansehnlich war, 10,5 m lang, 8,5 m breit, mit einer 1,7 m tiefen Empore; angebaut war eine kleinere kellerartige Sakristei. Wenigstens seit 18.42 war am Dachreiter eine Uhr angebracht. Das Inventar war ärmlich, die notwendigen Geräte und Paramente für den gelegentlichen Wochentagsgottesdienst mussten aus der Stadtpfarrkirche mitgebracht werden. Seit 1594 war Horas eine Filialgemeinde der Pfarrei Frauenberg. Als 1877 wegen Baufälligkeit die Schließung der Kapelle angedroht wurde, entschloss man sich zum Bau der heutigen St. Bonifatius-Kirche, die 1885 konsekriert und 1888 zur Pfarrei erhoben wurde.